13.05.2026
Matratzenverband: „Massive Kostenwelle“ wird existenzbedrohend
Angesichts der aktuellen Polyol- und PU-Schaum-Versorgungslage wendet sich der Fachverband Matratzen-Industrie mit einem nachdrücklichen Statement an die Öffentlichkeit:
Die deutsche Matratzen-Industrie steht unter dramatischem Kostendruck. Nach Brancheninformationen steigen die Preise für PU-Schaumstoffe in diesem Monat erneut deutlich – in ähnlicher Größenordnung wie schon im März und April. Das Besondere an der aktuellen Entwicklung: Die Preiswelle hat sich binnen weniger Wochen zugespitzt und entfaltet damit eine Dynamik, die viele Unternehmen zuletzt in der Pandemiezeit erlebt haben – damals jedoch verteilt über einen deutlich längeren Zeitraum. Treiber scheint weniger eine tatsächliche Rohstoffknappheit zu sein, sondern eine Kombination aus hoher internationaler Nachfrage, temporären Störungen in US-amerikanischen und asiatischen Lieferketten sowie Zeitverzögerungen beim Transport über die Seewege.
Nach Einschätzung von Marktteilnehmern sind Polyole, Isocyanate und weitere Vorprodukte grundsätzlich verfügbar und nur zeitweise eingeschränkt lieferbar. Zusätzlich belasten steigende Preise bei weiteren rohölbasierten Materialien – etwa Verpackungsfolien und textilen Komponenten – die gesamte Wertschöpfung.
Für Hersteller bedeuten die aktuellen Entwicklungen drastische Mehrkosten von bis zu 25 Prozent. Gleichzeitig ist der Spielraum zur Kompensation über die Marge stark begrenzt, weil die Materialkosten den größten Anteil der Herstellungskosten ausmachen. Nach Rückmeldungen aus der Branche geraten insbesondere kleine und mittelständische Hersteller dadurch in eine kritische Lage – einzelne Unternehmen sehen bereits ihre wirtschaftliche Existenz bedroht, weil Geschwindigkeit und Höhe der Kostensteigerungen betriebswirtschaftlich kaum noch abgefedert werden können.
Die Matratzenhersteller befinden sich dabei in einer besonders ungünstigen „Sandwich-Position“: Auf der einen Seite stehen die steigenden Preise der Zulieferindustrie, auf der anderen Seite ein Handel, der in vielen Segmenten über eine starke Verhandlungsposition verfügt und der Weitergabe der Kostensteigerungen nur sehr eingeschränkt zustimmt oder sie teilweise gänzlich verweigert. So können Hersteller mitunter nicht einmal die Hälfte ihrer Mehrkosten kompensieren. Besonders enttäuschend ist das Verhalten öffentlicher Auftraggeber, die ohne Scham von „normalen wirtschaftlichen Risiken“ sprechen.
Erschwert wird die Situation zudem durch Lieferzeiten Richtung Handel von rund sechs Wochen: Selbst, wenn Preisanpassungen ausgehandelt werden können, kommen sie beim Hersteller zeitverzögert an. Die Folge sind ein zunehmender Qualitäts- und Wettbewerbsdruck. Während Importprodukte aus Asien teils zu Dumping-Preisen angeboten werden, wächst parallel auch in Europa der wirtschaftliche Druck, an Materialeinsatz und Spezifikationen zu sparen (z. B. Matratzenhöhe, Raumgewicht) – mit potenziellen Auswirkungen auf Haltbarkeit, Komfort und Produktsicherheit. Branchenvertreter warnen davor, dass so am Ende Verbraucherinnen und Verbraucher die Zeche zahlen. Angesichts der üblichen saisonalen Nachfrageschwäche bei Matratzen in den Sommermonaten, dem insgesamt gedämpften Konsumverhalten und der weiterhin angespannten Beschaffungslage rechnet die Branche kurzfristig nicht mit einer spürbaren Entspannung.
Zudem betrifft der Kostendruck nicht nur den PU-Schaum: Auch Federkernmatratzen verzeichnen Preisanstiege, u. a. durch höhere Stahlkosten, aber auch hier spielen die Preissteigerungen bei rohölbasierten Komponenten eine Rolle, z.B. beim Vlies für die Federtaschen. „Die Hersteller agieren in dieser Lage strikt eigenständig und innerhalb klarer Compliance Regeln. Was wir aber branchenweit beobachten, ist eine massive Kostenwelle in sehr kurzer Zeit – und ein Handel, der die Weitergabe häufig nur eingeschränkt akzeptiert. Diese Kombination setzt insbesondere den Mittelstand massiv unter Druck und gefährdet neben Arbeitsplätzen auch Investitionen in Qualität“, sagt Martin Auerbach, Geschäftsführer Fachverband Matratzen Industrie. Sein Appell: „Wir brauchen mehr Transparenz entlang der Lieferkette, realistische Preis- und Vertragsmechanismen – übrigens auch in der öffentlichen Beschaffung – sowie eine sachliche Debatte über Kosten, Qualität und Verbraucherschutz. Andernfalls wird auch dieser Industrie-Zweig auf kurz oder lang ins Ausland abwandern.“